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JUGEND

KURATIERT

florian Huber
»Stahlblech und konfetti«
dale.dale.dale

Aus der Ferne erinnert die Szenerie mit Wimpelketten und Emoji-Piñata an einen Kindergeburtstag. „dale dale dale" [los, los, los] steht in kindlicher Schrift auf dem bereitliegenden Schlagstock – die Anfangszeile des spanischen Kinderliedes, dessen Länge allen Mitspielenden das Zeitlimit des Spiels diktiert.

Eine dem Emoji ähnlich gestaltete stählerne Figur in Form eines kleinen Alpakas wirkt in ihrem transparent lackierten Zustand wie ein Rohling. Erst im Dialog der Figuren irritiert die Materialität der farbig gefassten Wimpel und der hängenden Piñata, denn auch sie bestehen aus Stahlblech.

Es sind die Symbole der Event- und Partygesellschaft, die Florian Huber hier aufgreift und durch die Wahl der Materialien für die Ewigkeit konserviert, um uns die Vergänglichkeit des Moments vor Augen zu führen. Gleichzeitig übt er Kritik an der hedonistischen Konsumgesellschaft, die ständig nach den Superlativen greift, dahin drängt, dem Sein zu entfliehen und letztendlich doch nur sich selbst dabei verliert.

Schließlich ist die Piñata, einst Gegenstand eines religiösen Brauchtums, zum Symbol der kulturellen Aneignung und Kapitalisierung traditioneller Praktiken geworden. Denn entgegen des allgemeinen Glaubens, es handele sich hierbei um einen alten mexikanischen Brauch, hat die Piñata eine stark kolonialgeschichtlich beeinflusste Tradition.

Lara Bader, Kunsthistorikerin

‚Ohne Titel' (Smile)

In der Serie ‚Ohne Titel' (Smile, im Plan: Nr.2) widmet sich der in Hamburg lebende Künstler Florian Huber dem Material Konfetti als solchem und setzt es beinahe malerisch ein. In monochromer Farbig- keit mit einer hauchdünnen Schicht Epoxidharz auf den Bildträgern fixiert, erschließt sich den Betrachter*innen die Materialität der Bild-Objekte erst bei näherem Herantreten. Das Konfetti, sonst bloßes Zeichen feierlicher Momente, wird hier aufgrund seiner Materialität in Szene gesetzt und nicht als dokumentarischer Beweis eines Ereignisses. Damit wird das Material selbst zur ästhetischen Kategorie erhoben.

Lara Bader, Kunsthistorikerin
Anne Simone Krüger, Kunsthistorikerin